Es ist immer noch nicht viel passiert hier, aber es gibt Weihnachtsfotos!
 
Wir züchten Zwergpinscher aus Leidenschaft!

Hier möchte ich einige grundlegende Fragen zur Erziehung und Haltung des Zwergpinschers beantworten

Bitte scrollen Sie einmal bis zum Ende der Seite durch, um die für Sie interessanten Kapitel finden

 


Den richtigen Züchter und den richtigen Hund finden

Es erschüttert mich immer wieder, wenn ich von Menschen höre, die Hunde im Internet bestellen und sich an einen Autobahnrastplatz liefern lassen, die auf tolle homepages reinfallen und gar nicht registrieren, ob der Züchter dem VDH (Verband für Deutsches Hundewesen) angehört oder nicht. Menschen, die sich einreden lassen, die Welpen seien aus Tierschutzgründen nicht geimpft, dabei will sich der „Züchter“ nur das Geld fürs Impfen sparen. Menschen, die vermeintlich einen Welpen kaufen, der in einer Familie geboren und aufgewachsen ist, dabei ist es bloß ein Hundehändler, der eben auch Familie hat. Menschen, die sich einreden lassen, es sei normal, dass die Hündin nicht bei ihrem Wurf ist („nein, ich habe die Mutter nicht gesehen, aber sie war im Haus - ich habe sie gehört“!). Selbst sonst ganz lebenstüchtige Menschen verfallen beim Welpenkauf manchmal auf die größten Dummheiten, kaufen vielleicht sogar bewusst einen Welpen bei einem schlechten Züchter, weil Ihnen das Hundchen leid tut - wie viele weitere Welpen zahlen den Preis dafür?! Vorsicht auch bei „Tierschutzhunden“. Der Wunsch vieler Menschen, einen Hund aus einer Tötungsstation zu erwerben, befeuert einen ganzen Markt mit traurig produzierten und sogar gestohlenen Hunden.
Unabhängig davon, ob Sie einen Mischling aufnehmen möchten, einen Hund, der aus Tierschutzgründen ein neues Plätzchen braucht - vielleicht auch einen älterer Laborhund, der seine Versuchslaufbahn hinter sich hat - oder einen Rassehund von einem VDH Züchter: schauen Sie ganz genau hin und machen sie sich bewusst, dass Ihr Handeln Konsequenzen hat! Unterstützen Sie keinen tierschutzwidrigen Hundehandel!
VDH Züchter finden Sie direkt über den VDH oder über die entsprechenden Rasseklubs, die Mitglieder im VDH sind. Der VDH ist keine Garantie für gute Züchter - Geldgier, Betrug und Rohheit gibt es überall, wo es Menschen gibt - aber er gibt einen Mindeststandard vor, der nicht unterschritten werden sollte. Hier werden Hund und Züchter geprüft, es gibt rassespezifische Gesundheits- und Zuchtzulassungsprüfungen, eine Aus- und Weiterbildungspflicht für Züchter, die Zuchtstätte wird kontrolliert und wenn ein Wurf da ist, kommt der Zuchtwart 2x auf Besuch, schaut sich Mutter und Wurf an, kontrolliert die Chipnummern und Impfpässe. Das reicht nicht immer, aber es ist mehr, als jeder andere Verband leisten kann!
Wenn Sie sich soweit vorinformiert haben, besuchen Sie die Züchter, die in Frage kommen. Welchen Eindruck machen die Hunde? Werden sie wirklich in der Familie gehalten, sind sie in einem guten Gesundheitszustand, aufmerksam, fröhlich? Macht der Züchter einen verantwortungsbewussten und sachverständigen Eindruck? Fragen Sie, was Sie wissen möchten! Mich hat einmal eine Elfjährige sehr beeindruckt, die von ihren Eltern einen ZP bekommen hat. Nachdem ich sagte, dass im VDH Hündinnen mit 8 Jahren aus der Zucht gehen, fragte sie: „Wo sind denn dann die ganzen alten Hunde?“ Eine wirklich gute Frage! Ich habe gerne einen Hund in diese Familie gegeben und dem Hund geht es prächtig. Umgekehrt sollten Sie es nicht übel nehmen, wenn der Züchter von Ihnen wissen möchte, was Sie mit dem Hund vorhaben, wie er untergebracht ist, solange Sie arbeiten, wie Sie ihn beschäftigen wollen…Es ist ein großes Problem für einen Züchter, passende Familien zu finden. Versetzen Sie sich in seine Lage, die liebevoll aufgezogenen Welpen hergeben zu müssen!
Wenn es ernst wird, besuchen Sie Ihren Welpen mindestens 2x beim Züchter. Ich lasse keine Besucher ein, solange die Welpen unter 2 Wochen alt sind, aber dann sind Besucher willkommen. Es fasziniert mich immer wieder, wie schnell oft die Bindung hergestellt ist, von beiden Seiten. Tatsächlich habe ich es schon erlebt, dass ein Welpe seiner neuen Besitzerin beim 2. Besuch entgegenwackelte! Wenn es nicht so ist und der kleine Racker lieber mit seinen Geschwistern spielt, sollten Sie nicht enttäuscht sein, er wird sich beizeiten und sehr tief binden. Es ist eigentlich unmöglich, den falschen Hund auszusuchen! Viele „Hundekenner“ und Züchter glauben, den Charakter des erwachsenen Hundes schon beim Welpen erkennen zu können. Es gibt dazu Untersuchungen (zur Vorauswahl der richtigen Hunde für die sehr aufwendige Blindenhundausbildung), mit dem Ergebnis: es geht nicht. Das macht aber nichts: ihr ZP wird von Natur aus liebenswert sein! Die „Details“ bestimmen Sie: wenn Sie viel mit ihm unternehmen, wird er noch ein bisschen schlauer und lebhafter. Wenn sie sein Selbstbewusstsein (zu) sehr unterstützen, wird er sich irgendwann für eine Dogge halten. Und er wird der beste Hund der Welt sein!
Wenn die Welpen unter 12 Wochen alt sind, ist die Hündin selbstverständlich anwesend! Sie sollten sich nicht nur Ihren Welpen anschauen, sondern auch Mutter und Geschwister!
Der Vater lebt meist nicht im selben Haushalt. Sie können sich aber Fotos zeigen lassen und nach der homepage des Rüdenbesitzers fragen. Sollte der Rüde anwesend sein - umso besser für Sie!
Die Welpen haben bei Abgabe selbstverständlich einen Chip und einen blauen EU-Heimtierpass. Die Stammbäume sind meist noch nicht fertig und werden nachgeschickt. Vielleicht gibt Ihnen der Züchter auch noch ein paar Babyfotos mit, unbedingt etwas gewohntes Futter und Spielzeug oder eine Decke mit „Stallgeruch“.
Welpen werden frühestens ab 9 Wochen abgegeben. Es ist sehr schwierig, zur gleichen Zeit für alle Welpen passende Familien zu finden, deshalb: sollte ein Welpe angeboten werden, der schon deutlich älter ist, vielleicht 12 oder mehr Wochen, heißt das nicht, dass mit dem Hund etwas nicht in Ordnung wäre! Der passende neue Besitzer ist einfach noch nicht aufgetaucht. Ein guter Züchter gibt den Hund vorher nicht her! Selten gibt es auch die Gelegenheit, einen erwachsenen Hund zu erwerben. Fragen Sie nach, warum der Hund abgegeben wird!
Noch ein Wort zum Geld: VDH Hunde sind keine Schnäppchen und können es auch nicht sein. Ein VDH Hund kostet in der Regel ab 1 000,-€ und mehr. Warum? Eine gute Zucht kostet Geld, und zwar nicht zu knapp: Ausstellungen, Gesundheitscheck, Futter, Impfpässe, Papiere, Deckgebühren…Dazu die Hunde, die nicht im Zuchteinsatz sind, aber auch versorgt sein wollen. Man kann nur dann Geld mit Hunden verdienen, wenn man so viele Zuchthunde hat, dass der einzelne nicht mehr zählt und Hunde, die nicht „gut genug“ oder alt sind abstößt - bei einem solchen Züchter sollten Sie nicht kaufen. Ihr Welpe soll in der Familie aufwachsen, liebevoll umhegt und umsorgt! Ein Hund mit dem bestmöglichen Start ins Leben. Und mit einem Züchter im Hintergrund, der Sie auch später noch berät, wenn Sie irgendein Problem mit Ihrem Hund haben. Ein vermeintlich preiswerter Hund aus dem Internet kostet vielleicht nachher das Vielfache an Tierarztkosten. Ich habe schon 300,-€ Hunde gesehen, denen die Wurmschnipsel aus dem Fell fielen!
                                                                                                                                          


Was muss mein Hund lernen?

Unbedingt notwendig ist eigentlich nicht viel: Stubenreinheit, ordentlich an der Leine gehen und Herkommen auf Zuruf. Wenn Sie nicht ununterbrochen zuhause sind – und wer ist das schon? – muss der Hund allein bleiben können ohne zu kläffen oder sich aufzuregen. Zwergpinscher sind gesellig und menschenbezogen, sie sind ungern allein. Sie gehören auch nicht zu der Sorte Hund, die sich depressiv unter den Tisch verzieht, wenn die Zweibeiner das Haus verlassen, sondern sie protestieren. Ich empfehle daher jedem frischgebackenen ZP Besitzer, das Alleinbleiben mit seinem Welpen von Anfang an zu üben, auch wenn´s schwer fällt (Tipp: üben Sie erst mal mit der Schlaf- und Transportbox).
Viele ZPs neigen zum Ziehen an der Leine, einen so kleinen Hund hält man ja auch leicht. Aber es ist lästig, ungesund für die zarte Halswirbelsäule des Hundes und unschön, der Hund soll an der losen Leine gehen. Gut geht das mit Klickertraining (s.u.). Und bitte: wenn Ihr Hund stehen bleibt weil er etwas Interessantes entdeckt hat, dann stellen Sie sich nicht glotzend daneben! Sie bestimmen, wann es wo hingeht! Und lassen Sie nicht zu, dass Ihr Hund unterwegs andere verkläfft. Viele ZP sind immer hungrig – diese Hunde müssen lernen, draußen keinen Müll zu fressen oder auch auszuspucken, was sie gefunden haben (okay, das ist echt schwierig - aber lebenswichtig!).
Für einen ZP wäre dieses Basisprogramm aber zu wenig! Sehr empfehlenswert sind Begleithundekurse, Ausdauersport, Agility, Dummy- oder Tricktraining („Dummy“ ist ein Futterbeutel, gedacht als Beuteersatz). Am Besten suchen Sie sich einen netten Hundeplatz mit freundlichen, kompetenten Trainern, denn erfahrungsgemäß ist man allein doch zu faul zum Üben. Fragen Sie doch einfach mal auf dem nächsten Schäferhundplatz! Außerdem ist es leicht, mit einem ZP auf dem Hundeplatz zu glänzen, und das macht Spaß!


Halsband oder Geschirr? Und welche Leine?

Seit ein paar Jahren gilt nur noch das Geschirr als tierschutzgerecht, das Halsband ist selbst bei großen Hunden verpönt. Warum? Natürlich ist es für einen Hund angenehmer, im Geschirr zu ziehen als im Halsband - aber er soll ja nicht ziehen, sondern lernen, ordentlich an der losen Leine zu gehen, und zwar auf der Seite, die Sie vorgeben. Wenn er das tut, tut auch das Halsband nicht weh. Ein großer Vorteil des Halsbandes ist, dass Sie damit den Kopf und den Blick des Hundes wieder auf sich lenken können, wenn er auf Ansprache nicht mehr reagiert. So können Sie den Blickkontakt Ihres Hundes unterbrechen, wenn er seinen „Lieblingsfeind“ entdeckt hat und Sie können die Bewegungsrichtung bestimmen: jeder Mensch läuft seiner Nase nach - auch, wenn er ein Hund ist!   Am Geschirr können Sie einen Hund, der nicht zuhört, nur wegzerren - aber Druck erzeugt Gegendruck, der Hund wird sich automatisch dagegen stemmen. Deshalb führt man auch Pferde am Kopf und nicht an einem Brustgeschirr (womit ich nicht das „Halti“ empfehlen möchte, das auf viele Hunde unterdrückend wirkt). Etwas anderes ist es natürlich, wenn Sie mit ihrem Hund joggen oder Rad fahren. Da kann es schon mal versehentlich zu einem Leinenruck kommen, deshalb: hier unbedingt ein gutgepolstertes Geschirr anlegen. Und: das Polster muss untern und vorne dick und weich sein, nicht am Rücken, wo es nichts nützt!
Meine Hunde tragen meist sogenannte „Zughalsbänder mit Stopp“, unschönerweise und fälschlich auch als „Halbwürger“ bezeichnet. Richtig eingestellt, ziehen sich diese Halsbänder bei Leinenzug so weit zu, dass sie wie ein gut passendes Halsband mit Schnalle sitzen. Ohne Zug gleiten sie auf und hängen lose an der Brust. Das feine Fell an der Halsunterseite wird geschont. Für stiernackige Rüden wie unseren Erik, dessen Hals so breit ist wie der Kopf, sind sie ideal (auf dem Foto oben trägt er allerdings sein "Sonntagshalsband" - eher schön als bequem, man kennt das).
Werden die Hunde unbeaufsichtigt alleine gelassen, wird das Halbsband, zur Verhütung von Unfällen, abgenommen.
Noch ein Wort zur Flexileine: die Idee - viel Freiheit für den Hund und trotzdem eine Leine, wenn man sie braucht - ist im Prinzip gut. Das Problem ist eher, dass die meisten Leute (mich eingeschlossen) nicht wirklich mit der Flexi umgehen können und es im Notfall nicht schaffen, den Hund schnell zurückzuholen. Da spannt sich dann schon mal eine Flexileine quer über den Radweg oder der Hund läuft unter Tischen und Stühlen durch, während die Besitzerin an einem Straßencafe vorbeigeht… Also entweder üben und gut aufpassen - oder doch eine konventionelle Leine (gut geeignet: 1,20 - 1,50) benutzen.


Boxentraining, Schlaf- und Ruheplatz

Sehr empfehlenswert! Ein Hund, der es gewohnt ist, friedlich in seiner Box zu liegen meistert Autofahrten, Bürotage und Hundeausstellungen, lässt sich im Notfall „aufräumen“, z.B. wenn die Schwiegermutter mit ihrem Halbdackel auf Besuch kommt, wenn im Mehrhundehaushalt eine Hündin hochläufig ist oder getrennt gefüttert werden muss. Die Box kann, richtig eingesetzt, das Alleinbleiben- und Sauberkeitstraining sinnvoll unterstützen. Wichtig ist, dass die Box von Anfang an gern vom Hund angenommen wird. Sie steht an einem strategisch günstigen Ort, der Hund soll sich nicht weggesperrt fühlen. Er bekommt das Superkuschelkörbchen rein und wird, mindestens anfangs, darin gefüttert. Die Tür steht (fast) immer offen. Wenn sich der Hund gern und von sich aus in die Box legt, haben Sie´s richtig gemacht. Sie soll seine Höhle und sein bevorzugter Rückzugsort sein. Dann wird es der Hund problemlos tolerieren, wenn die Tür mal zu ist. Stellen Sie den Welpen in der Box neben das Bett, damit Sie hören, wenn er nachts unruhig wird und raus muss! Sperren Sie den Hund nur so lange ein, wie er sich in der Box wohl fühlt. Der Trick dabei: warten Sie nicht ab, bis der Hund kratzt und heult, sondern lassen Sie ihn rechtzeitig wieder heraus. Wenn Sie ihn auf seinen Protest hin heraus lassen, haben Sie ein Problem. Dann fangen Sie am Besten mit dem Boxentraining wieder ganz von vorne an.
Als Boxen sind stabile Transportboxen gut geeignet und, auch wenn´s blöd aussieht, Gitterkäfige. Stoffboxen sind meist nichts für ZP, sie kriegen früher oder später die Reißverschlüsse auf oder die Nähte. Bei Käfigen ist allerdings zu beachten, dass sie keinen Schutz gegen kalte Böden und Zugluft bieten - hier sollte man mit einer Decke und einer Isomatte nachhelfen, damit´s keine Blasenentzündung gibt.
Aus dem gleichen Grund sollten Hundekissen und Körbchen immer einen erhöhten Rand haben, den nutzen Hunde auch gleich als Kopfkissen.
Nur, um Missverständnissen vorzubeugen: die Haltung von Hunden in Boxen ist tierschutzwidrig und verboten! Ein Hund wird nur kurzzeitig und aus zwingenden Gründen in eine Box gesperrt. Und die Geduld des Hundes wird niemals überbeansprucht.


Trainingsmethoden

Es lässt sich erbittert darüber streiten, ob in der Hundeausbildung Leckerli eingesetzt werden sollen, oder nicht.
Die Gegner sagen: der Hund soll aus Liebe gehorchen, nicht wegen der Leckerli! Das ist Bestechung! (Ob diese Leute zuhause einen Futterautomaten benutzen, damit der Hund nicht merkt, wer so nett ist und für das Futter sorgt?)
Die Befürworter sagen: wer arbeitet, soll belohnt werden. Mit Leckerli geht´s schneller als ohne (noch schneller, wenn mit Klicker kombiniert wird). Und Liebe geht (auch) durch den Magen. Die Steigerung dazu: der Hund bekommt überhaupt keine regulären Mahlzeiten sondern wird ausschließlich draußen und als Belohnung gefüttert.
Ich sehe das pragmatisch: man kann einen Hund ohne Leckerli erziehen, aber man muss nicht. Ich arbeite, genauso wie mein Hund, gern. Trotzdem: ohne Gehalt würde meine Motivation drastisch sinken. Tatsächlich habe ich meinem Schäferhund das Nehmen von Leckerli mühsam beigebracht, um ihn bequem belohnen zu können. Er nahm sie nur mir zuliebe, weil er wußte, ich meins gut. Das freute ihn. Und mich. Zuhause überhaupt nicht zu füttern würde ich nur bei sehr spezifischen Verhaltensproblemen empfehlen, aber ziehen Sie die Leckerli von der Tagesration ab!
Dummytraining (Beuteersatz): eine Variante der Futterbelohnung ist die Arbeit mit dem Futterbeutel. Der Hund lernt leichter apportieren und suchen mit einem Beutel voller Leckerchen als mit einem beliebigen Gegenstand (obwohl viele ZPs sozusagen geborene Retriever sind!). Auch in anderen Übungen wird der Beutel als Belohnung verwendet. Es gibt Dummybeutel, die klein genug sind für ZPs, aber Vorsicht: manche ZPs kriegen Reißverschlüsse auf und manche vergraben den Dummy lieber schnell, bevor sie ihn abliefern. Recht haben sie: Menschen sind unzuverlässig, verlegen den Beutel ständig oder schmeißen ihn sogar weg…Wenn Sie einen dummen Hund suchen (ist, ehrlich gesagt, einfacher), dann nehmen Sie keinen ZP!
Balljunkies: einem lebhaften, verspielten Hund kann man auch beibringen, Spielzeug als Belohnung anzunehmen. Das ist noch viel praktischer als Leckerli!  Es gibt allerdings Hunde, die vollkommen auf ihr „Spieli“ fixiert sind, nirgends mehr hinschauen können, als auf das Spielzeug oder die Tasche, in der es vermutet wird. Das ist sehr bequem für den Besitzer, der seinen Hund sehr leicht führen und belohnen kann. Aber ich kann mir nicht helfen: auf mich wirken diese Hunde, als stünden sie unter Drogen.


Was ist als Belohnungsfutter geeignet?

Das Angebot ist riesig, bunt, in Herzchen- und Knochenformen und hübsch verpackt. Warum? Weil Menschen einkaufen, nicht Hunde…Für Hunde ist wichtig, dass die Zusammensetzung stimmt, die Nähr- und Zusatzstoffe müssen ausgewogen sein. Genauso wie in jedem guten Hundefutter. Das heißt: die Zusammensetzung von Belohnungs- und Alleinfutter weicht grundsätzlich nicht voneinenader ab. Nur kosten Leckerlis viel mehr! Also kaufen Sie doch einfach ein besonders schmackhaftes Trockenfutter, das der Hund sonst nicht bekommt und wechseln sie öfters die Sorte, damit die Belohnung interessant bleibt. Besonders beliebt sind weiche Futter, sie riechen durch den höheren Feuchtigkeitsgehalt stärker. Für besonders schwierige Übungen darf es auch mal ein Stückchen Käse sein, aber man sollte seinen Hund nicht dazu erziehen, nur für ein „Spitzengehalt“ zu arbeiten.
Und natürlich müssen die Futterstückchen für ZP klein genug sein, damit der Hund nicht mitten in der Übung stehen bleibt, weil er ausgiebig kauen muss. Bei zu kleinen Leckerlis können sich gierige Hunde allerdings verschlucken, was nicht ganz ungefährlich ist.


Klickertraining

Futterbelohnung mit Beschleunigungseffekt: ein Klick heißt: gleich gibt´s was Gutes! Neben diesem Belohnungsversprechen scheint das „Klick“ direkt im Hirn anzukommen (wie das Geklicker bei Computerspielen und Spielautomaten), unmittelbar und präzise, schneller und leichter verständlich als jedes „guut“ oder „fein!“. Es wirkt auch auf Entfernung (ursprünglich stammt es aus der Dressur von Delfinen, denen man schlecht immer einen Fisch vor die Nase halten kann) und es bestätigt eine laufenden Übung, ohne sie zu unterbrechen. Beim Fußgehen kann z.B. jeder Blickkontakt des Hundes mit einem Klick belohnt werden, ohne dass Sie ihre Haltung verändern müssen oder der Hund durch Leckerli fangen oder kauen abgelenkt wird. Den Lecker gibt´s dann erst nach Abschluss der Übungseinheit.
Das „Anklickern“ ist ganz einfach: Sie klicken, der Hund guckt und wird belohnt, Sie klicken... der Hund wird ruck-zuck die Verbindung herstellen. Anfänglich folgt noch jedem „Klick“ ein Leckerchen, dann werden die Abstände zwischen Klick und Belohnung langsam größer.
„Target-Trainig“: eine Erweiterung des Klickertraining ist es, den Hund auf ein bestimmtes target (Ziel) zu lenken: der Hund wird belohnt wenn er, anfänglich zufällig, mit der Nasenspitze ein bestimmtes Ziel berührt, z.B. Ihre Handfläche oder die Kugel am Ende eines „Target-Stabes“ (Teleskopstab mit verdicktem Ende, oft gleich mit Klicker am Griff). Hat der Hund die Verbindung erst einmal hergestellt, können Sie alle möglichen Übungen aufbauen, indem Sie den Hund mit Handfläche oder Stab führen. Natürlich geht auch das Klicken von Pfotenkontakt: der Hund lernt, mit der Pfote bestimmte Markierungen zu berühren, z.B. einen Bierdeckel, den Sie dann überall anbringen können, wo der Hund stehen oder antippen soll (z.B. Lichtschalter oder die Handfläche, bei Hunden, denen das "Pfötchengeben" nicht im Blut liegt. Also Nicht-Pinschern).
Hunde (Pferde, Schweine und Hühner übrigens auch) haben viel Spaß am Klickertraining. Je öfter Sie Übungen mit Klicker aufbauen, desto schneller lernt Ihr Hund neue Tricks. Sie können ihn auch ganz kreativ eigene Kunststücke entwickeln lassen und diese belohnen.


Strafe und Belohnung

Theoretisch ist beides möglich: negative Auslöschung (Strafe) unerwünschter oder positive Verstärkung (Lob, Futter) erwünschter Verhaltensweisen. Leicht nachvollziehbar, dass der Hund (und nicht nur der!) die positive Strategie lieber mag und deshalb auch aufmerksamer bei der Sache ist. Zudem ist Loben viel einfacher als Strafen, ein „Fein“, ein „Klick“ ein Leckerli, ein Ballwurf - was funktioniert kann nicht falsch sein. Beim Strafen gibt es Fallstricke: ängstliche Hunde sind vielleicht so verängstigt, dass sie überhaupt nicht mehr richtig reagieren können. Wenn Sie einen unsicheren Hund mit einem scharfen „Siiiitz!!!“ anbrüllen, wird er sich vielleicht gleich hinlegen und wenn Sie weiterschreien wird er sich nur immer flacher auf den Boden drücken statt sich zum Sitzen aufzurichten. Ein verängstigtes Tier kann nicht lernen, sein Hirn läuft auf Notprogramm. Angstverhalten lässt sich nicht „wegstrafen“, es wird im Gegenteil durch Strafe verstärkt. Außerdem kann es leicht passieren, dass ein Hund in seiner Panik falsch verknüpft, z.B. glaubt, auf ihr „Siiiitz!!!“ einfach nicht schnell genug zu Boden gegangen zu sein und in Folge versucht, das Absitzen ganz auszulassen und „tot“ umzufallen.
Strafe ist angebracht, wenn es mal wirklich zackig gehen muss. Wenn Ihr Hund z.B. versucht, ein vorbeifahrendes Auto zu fangen (eine unter Doggen und Zwergpinschern vorkommende Unart), folgt sofort ein scharfer Leinenruck! Beim nächsten Mal sind Sie vorbereitet und ziehen die Aufmerksamkeit des Hundes rechtzeitig mit einem Leckerli auf sich. Belohnung ist immer die bessere Idee! Und außerdem: Hundeausbildung soll ja Spaß machen, schließlich ist das Ihre Freizeit.
Eine Gemeinsamkeit gibt es zwischen Lob und Strafe: das Timing muss exakt stimmen! Ein Hund der bestraft wird, weil Sie beim Heimkommen den ausgeräumten Mülleimer entdecken, versteht Sie nicht. Ihre Reaktion muss innerhalb eines Augenblicks erfolgen, idealerweise in weniger als 1 Sekunde (eigentlich in 0,3 Sekunden, aber das kriegen wir Menschen eh nicht hin)!


Den richtigen Trainer finden

Ohjeh, was ist da nicht Alles unterwegs! Da gibt es die Fundamentalisten: „wenn Sie Leckerli geben, entwickelt ihr Hund zu Ihnen einen Beziehung wie Sie sie zu ihrem Bäcker haben - eine lieblose Geschäftsbeziehung“. Entgegengesetztes Extrem: ohne Leckerli geht gar nichts. Fußgehen wird geübt, in dem man das Leckerchen direkt vor die Hundenase hält. Wie viele Meter halten Sie das bei einem ZP durch?! Die Ignoranten, die nur ihre (natürlich einzig wahren!) Glaubenssätze im Kopf haben, anstatt die Hunde zu beobachten. Eine Welpenschule sieht dann beispielsweise so aus: alle Welpen werden zusammengesperrt, „die machen das untereinander aus“, die Besitzer stehen außen am Zaun und amüsieren sich darüber, wie 2kg ZP unter der Masse von Retriever- und Aussiewelpen untergehen. Der selbsternannten Hundeflüsterer, der einem Chihuahua einen Würger anlegt und Leuten einreden will, ein Deutscher Pinscher sei eine Gefahr für kleine Kinder (oh ja, auch das ist eine wahre Geschichte!). Die Unerfahrenen, die vielleicht gerade noch mit schüchternen Frühkastraten umgehen können, aber mit einem springlebendigen ZP überfordert sind („den müssen sie erst mal kastrieren, damit er ruhiger wird“). Gut aufgehoben ist man mit ZP bei Gebrauchshundetrainern, die man jedoch manchmal erst mal davon überzeugen muss, dass ein ZP ein richtiger Hund ist.
Letztendlich bleibt nur die harte Tour: ausprobieren. Verlassen sie sich auf Ihren gesunden Menschenverstand: das Training muss Ihnen und Ihrem Hund Spaß machen, der Hund muss mit Begeisterung auf den Platz stürmen und seinen Trainer anhimmeln! Als meine Alci einmal nach einem ¾ Jahr Pause wieder zum Tricktraining durfte, rannte sie buchstäblich johlend auf den Platz! So ist´s richtig. Der ZP soll rasche Lernfortschritte zeigen ohne je gedrückt zu wirken. Der Trainer darf Sie mal anschnauzen - unter Umständen und ausnahmsweise auch den Hund - aber die Stimmung ist immer freundlich und heiter (nicht vergessen: Sie machen das zu Ihrem Vergnügen und zu dem des Hundes!). Der Trainer kann Ihnen nachvollziehbar verklären, warum er was tut („das muss man so machen!“ oder „das habe ich schon immer so gemacht!“ reicht nicht!) und die Theorie hält der Praxis stand. Hundeerziehung hat mit Sachverstand und Erfahrung zu tun, nichts mit Glauben und Meinungen. Wenn es Ihnen nicht gefällt, gehen Sie! Eine Besitzerin eines meiner Welpen hat stehenden Fußes das Training verlassen, als ihr 7 Monate alter Welpe mit Gewalt ins „Platz“ gedrückt werden sollte. Der Hund hat Glück! (Inzwischen macht er Platz und Dummytraining und und und)


Rangordnung und Dominanz

Wieder ein Thema, bei dem es sich vortrefflich streiten lässt!
Extrem 1: Recht und Ordnung ganz natürlich! Sie sind der Chef! Und das beweisen Sie von Anfang an und täglich aufs Neue! Sie gehen zuerst durch die Tür, sie essen, bevor der Hund frisst, sie tun sogar so, als ob Sie sich zuerst aus dem Dummybeutel bedienen, bevor der Hund sein Leckerchen bekommt. Noch extremer: der Hund bekommt zuhause nichts zu fressen, sondern muss sich jedes Häppchen unterwegs erarbeiten. Der Spaziergang wird zur „gemeinschaftlichen Jagd“ hochstilisiert. Sie steigen auch nicht über den liegenden Hund hinweg, sondern der Hund steht auf, wenn Sie kommen und geht Ihnen aus dem Weg. Überhaupt: der Schlafplatz liegt in einer Ecke, von wo aus der Hund nichts sieht (nichts „kontrollieren“ kann). Sie nehmen dem Hund seine volle Futterschüssel weg, einfach um zu beweisen, dass Sie das können. Sie gehen nie auf eine Spielaufforderung des Hundes ein, Sie beginnen und beenden das Spiel. Der Hund macht spätestens mit 6 Monaten „Platz!“. Und er schläft unter keinen Umständen im Bett.
Extrem 2: Antifa und laissez faire!  
„Dominanz“ ist ein Unwort, Ausdruck von Unterdrückung und Sklaverei.  „Kadavergehorsam“ ist das Allerletzte. Der Hund ist ein (fast) gleichberechtigtes Familienmitglied, er wird am Tisch gefüttert und benutzt selbstverständlich Bett und Sofa. Ungestraft verkläfft er andere Hunde und die Nachbarn und knurrt, wenn er gemaßregelt wird. Wenn er bettelt bekommt was er will und draußen kommt er auf Zuruf - oder auch nicht. Das einzige, was ihn bremst, ist sein Übergewicht, das Einzige, was ihn zurückholt, sein Hunger. Oder er bleibt gleich an der Flexileine. Wenn er unterwegs stehen bleibt, folgen Sie seinem Beispiel. Er tut was er will, auch dann, wenn Sie (eigentlich) etwas anders wollen.
Ein Blick zu den wilden Verwandten ist an dieser Stelle nützlich: ein Wolfsrudel ist hierarchisch gegliedert, aber nicht despotisch. Jeder macht seinen Job innerhalb der Gemeinschaft, wer kein Reh reißen kann, kann trotzdem ein guter Fährtenleser sein. Leitwolf und -wölfin führen das Rudel, haben dabei aber unterschiedliche Aufgaben. Der Leitwolf kann die Wölfin schon deshalb nicht dominieren, weil er von manchen Dingen, z.B. der Welpenaufzucht, nichts versteht. Für beide Geschlechter bestehen getrennte Hierarchien, wobei in einem Familienrudel nur ein erwachsener männlicher Wolf Platz hat. Nur Jagdverbände, wie sie sich z.B. im Winter zusammenschließen, bestehen aus mehreren Familien. An der Beute haben die ranghohen Tiere Vortritt, aber auch die rangniederen dürfen ungehindert fressen. Tiere in den „unteren Rängen“ haben oft weniger Stress als die, die sich um die oberen Plätze streiten. Und alle finden Schutz im Rudel.
Haushunde sind keine Wölfe, sondern im Durchschnitt sanfter, allerdings oft rangordnungsbewusster und aggressiver beim Fressen als Wölfe, und wesentlich ruhiger, sie sind stärker auf den Menschen bezogen als auf ihre Artgenossen und weniger vorsichtig bzw. ängstlich (sonst wären sie ungeeignet, Schafherden gegen Wölfe zu verteidigen). Es gibt Rassen, wie z.B. Akita  Inus oder Staffordshire Terrier, bei denen alles seine Ordnung haben muss. Sie möchten wissen, wer welche Position inne hat und kommen schlecht mit gleichgeschlechtlichen, gleichstarken Hunden aus (oder mit schwachen Hundeführern). Im Gegensatz dazu sind Retrieverrassen und überhaupt viele Jagdhunde sehr friedlich und pfeifen auf strenge Hierarchien. Eine beonders hohe soziale Toleranz besitzen Meutejagdhunde (Beagle, Foxhound), die sich in größeren Gemeinschaften, kurzfristig auch mal eng zusammengepfercht in einem Jagdwagen, vertragen müssen. Man sollte jedoch Freundlichkeit nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln: die Behauptung, Beagle wäre es egal, mit welchen Hunden oder Menschen sie zusammen sind, ist schlicht falsch. Hunde sind sozial hochkompetent, sonst kämen sie mit Menschen (die das oft nicht sind) gar nicht klar.
Rüden sind Hündinnen und Junghunden gegenüber meist duldsamer als Hündinnen („Mädchen darf man nicht hauen“ gilt auch bei Hunden). Zwergpinscher achten sehr genau darauf, wer wo steht. Vor allem „gestandene“ Hündinnen bestehen auf ihren Rechten  - „das ist mein Kissen“ „und im Übrigen: haltet alle fein Abstand!“ Aber ein ZP legt es in der Regel nicht darauf an, eine höhere Rangstufe oder gar die Chefposition zu erstreiten (was für ein unnötiger Stress!). Solange er mit Ihrer Führung einigermaßen einverstanden ist, wird er sie auch akzeptieren (soll der Zweibeiner doch die Ansage haben, solange er gut für mich sorgt!). Allerdings: bloß weil das Hundchen klein ist, ist es nicht blöd, im Gegenteil: ZP haben eine ungeheure Beobachtungsgabe und eine hohe soziale Intelligenz. Ein ZP wird jede ihrer Schwächen erkennen und ggf. ausnutzen. Gnadenlos wird er seinen schmachtenden „ich-lieb-nur-Dich“-Blick aufsetzen, um auf den Schoß zu kommen oder seinen „ich-fall-um-vor-Hunger-und-niemand-hat-mich-gefüttert-solange-du-weg-warst “ Blick für ein zweites Abendessen und er fällt auf dem Sofa in Tiefschlaf, wenn Sie die Nüsse auf dem Couchtisch vergessen haben, solange bis Sie im Bett und fest eingeschlafen sind. Ein bisschen Disziplin muss ein ZP Besitzer schon aufbringen! Und die Kinder lernen aufräumen.


Welpenschutz

Um es gleich vorweg zu nehmen: der „Welpenschutz“ ist ein Gerücht, das auch durch ständige Wiederholung nicht wahr wird. Welpen haben einen Vorteil: sie sind keine gleichberechtigten Partner und deshalb keine Konkurrenz in sozialen Auseinandersetzungen. Deshalb unterwerfen sich auch erwachsene Hunde in Welpenhaltung: Stillliegen mit dem Bauch nach oben, zur Steigerung kann auch noch gepinkelt werden. Aber die Vorstellung, Welpen dürften sich Alten gegenüber alles erlauben, ist falsch: Welpen müssen sich benehmen, sonst krachts! Hunde erziehen streng!
Schauen wir uns einmal die Situation im Wolfsrudel an: in aller Regel bekommt nur das dominante Paar Welpen, die älteren Töchter bzw. Schwestern helfen bei der Aufzucht. Kommt die Leitwölfin um, können sie die Mutter vollständig ersetzen und sogar Milch geben (daher die Tendenz der Hündin zur Scheinmutterschaft). Diese jüngeren Wölfinnen werden von der Leitwölfin psychisch so klein gehalten, dass sie meist gar nicht in den Zyklus kommen. Sollte doch einmal eine Welpen bekommen, tötet die Leitwölfin in der Regel den Wurf. Das klingt grausam, macht aber Sinn: lieber ein Wurf tot gebissen als zwei verhungert. Hunde sind keine Wölfe mehr, diese tief verankerten Verhaltensweisen sind jedoch nicht vollständig herausgezüchtet. Immer wieder machen Züchter die Erfahrung, dass die Nachwuchshündin nicht läufig wird, es kommt auch vor, dass die alte Hündin den Wurf der jungen tötet. 
Die meisten Hündinnen sind sehr viel gutmütiger, es ist nicht nur zu beobachten, wie die jüngere Hündin ihrer Mutter bei der Aufzucht hilft, so, wie es bei Wölfen die Regel ist, sondern auch umgekehrt. Auch Rüden und junge Hunde sind Welpen gegenüber oft ausgesprochen gutmütig, wenn auch manchmal etwas unsicher. Garantie gibt es aber keine. Vorsicht ist geboten bei Hündinnen: sie können äußerst unduldsam auf fremde Welpen reagieren. Sie sehen in fremden Welpen lästige Konkurrenz für den eigenen (echten oder imaginären) Nachwuchs! Rangordnungsbewusste Hunde werden auch unwirsch auf respektloses Verhalten von ungezogenen Welpen reagieren. Ich erinnere mich, wie einmal ein Welpe meine Akitahündin ansprang: da er recht groß und sie relativ klein war, berührte er die Hündin versehentlich an der Schulter. Ein rangniederer Hund darf aber weder Kopf noch Pfote auf die Schulter eines ranghohen legen. Meine Hündin hat das innerhalb eines Augenblicks klargestellt, der Welpe lag einen Moment reglos auf dem Rücken und war ab sofort ausgesprochen höflich (die beiden mochten sich übrigens sehr, nachdem aus dem Kleinen ein stattlicher Rüde geworden war). Die Besitzerin stand staunend daneben: an ihr sprang der Welpe ständig hoch, sie schaffte es nicht, dieses unbotmäßige Verhalten abzustellen!


Mehrhundehaushalt

Ein ZP bereichert das Leben! Und das lässt sich steigern: nehmen Sie noch einen dazu! Aber Vorsicht: ab dem Dritten nimmt das Chaos seinen Lauf…
Zweihundehaushalt: Schaffen Sie den zweiten Hund erst an, wenn der erste aus dem Gröbsten raus ist und zuverlässig gehorcht. Zwei Welpen gleichzeitig zu erziehen ist extrem schwierig. Der Zweithund kann sich vom Ersthund abgucken, wie man sich benimmt - er guckt sich aber auch den Blödsinn ab! Der Ersthund sollte mindestens 1,5 bis 2 Jahre alt sein. Gut möglich, dass der Ersthund auch mal eingeschnappt, eifersüchtig und deprimiert ist wegen der Konkurrenz, aber dafür hat er auch einen Kumpel und jemanden, der ihn auf Trab hält, falls er sich schon ein bisschen aufs Altenteil zurückziehen wollte. Und er hat jemanden, der mitwartet, wenn er alleinbleiben muss (sich gegenseitig trösten funktioniert leider nicht, beide warten auf Sie!). Die Rangordnung machen die Hunde untereinander aus, aber Sie müssen sinnvoll unterstützen. Anfangs wird der Alte der unangefochtene Chef sein, wenn ein Welpe ins Haus kommt. Es ist jedoch möglich, dass irgendwann der Zweithund Chef wird. Auch wenn´s weh tut: akzeptieren Sie das, versuchen Sie nicht, eine unnatürliche Hierarchie aufrecht zu erhalten.
ZPs sind nicht extrem hierarchisch oder gar despotisch, über ein bisschen Gekeife gehen die Auseinandersetzungen in aller Regel nicht hinaus. Am Einfachsten funktioniert´s mit Rüde und Hündin, weil es weniger Konkurrenz gibt. Es kann dann aber sinnvoll sein, einen der beiden zu kastrieren. 2x Rüde oder 2x Hündin geht aber auch.
Bei 3 und mehr Hunden werden Sie immer wachsam bleiben müssen: Sie können nicht vollständig kontrollieren, was innerhalb der Meute „abgeht“ und Hunde sind nicht „gerecht“, sie neigen zum mobben: alle gegen einen. Alle gegen den Schwächsten. Sind die Hunde sehr unterschiedlich in der Größe, kann´s gefährlich werden. Eine willkürliche Zusammenstellung von Hunden ergibt keine natürliche Rudelstruktur und funktioniert nicht automatisch!


Umgang mit Hunden unterwegs, „Spielen lassen“

Die meisten Hundehalter halten sich für Verhaltensexperten und sparen nicht mit ungefragten Weisheiten, z.B. „Sie müssen Ihren Hund auch ableinen. Mein Trainer sagt, alle Hunde müssen immer freilaufen“ (Hundebesitzerin mit 2 mittelgroßen Mischlingen auf einem unübersichtlichen, stark frequentierten Waldweg), „Meiner will nur spielen!“ (Besitzer eines Schäferhundes, der sich knurrend mitten auf dem Weg aufbaut), „Sie dürfen Ihren Kleinen nicht auf den Arm nehmen“ (beliebiger Großhundbesitzer, der weder willens noch in der Lage ist, seinen Hund abzurufen) oder „Lassen Sie nur, die Hunde machen das untereinander aus“ (dito). Na, klar machen die Hunde das untereinander aus, die Frage ist nur, wie! Hundehalter verkennen oft, dass Hunde, die sich zufällig draußen begegnen, keine Rudelmitglieder mit festen Beziehungen sind. Raufereien sind oft die Folge. ZP sind meist die Kleinsten in der Runde und haben kein schützendes Fell, auch nicht am Hals, wo rituell (also ohne Verletzungsabsicht) gebissen wird. Sie sind schnell - aber nicht schneller als beispielsweise ein Husky oder ein Ridgeback. Größenunterschiede sind zweitrangig, unsere Cleo liebt z.B. Rottweiler. Nachdem sie Freundschaften zu 2 Rottweilern schließen konnte, ist sie Fan dieser Rasse geworden (was ich sehr gut verstehen kann!). Allerdings: wenn es zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommt, hat ein ZP gegen andere Hunde i.d.R. keine Chance. Besonders kritisch wird es bei Begegnungen mit Hundemeuten. Jeder Zwei- oder Mehrhundehalter kennt das: selbst wenn sich die Biester zuhause nicht grün sind, gegen andere wird zusammen gehalten. Meine Akitahündin hat „ihren“ Rüden einmal unter einem Dogo argentino hervorgezogen, der doppelt so groß war wie sie! Aber auch Hunde, die nicht zusammenleben sondern sich nur kennen, können sich leicht gegen einen Neuling verbünden. Überlassen Sie Ihren ZP nicht wegen irgendwelcher „Expertenmeinungen“ (oder weil im Zweifel die Versicherung nicht zahlt) seinem Schicksal - wenn es wirklich eng wird, retten Sie ihn! (Fein heraus ist der ZP, der einen Schäferhund hat!)
Aber natürlich darf der Kleine auch nicht provozieren: lassen Sie Ihren Hund nicht ungefragt auf andere zu rennen und gestatten Sie ihm keinesfalls, kläffend angeleinte Hunde zu umkreisen! Sprechen Sie sich mit dem anderen Hundebesitzer ab, bevor Sie ableinen. Chancenlos ist das allerdings bei Leuten, die ihren Hund grundsätzlich nicht anleinen und auf andere zurennen lassen. Ich habe tatsächlich schon Vorwürfe bekommen, weil ich meine Hunde an der Leine führte: „Sie würgen den Hund ja! Den sollte man Ihnen wegnehmen“ (Halterin eines Mischlings der meine drei, inklusive läufiger Hündin, belästigt hat). Da kann man nur das Weite suchen….
Um es mal offen auszusprechen: das Problem sind ja nicht aggressive Hunde sondern hirnlose Halter. Mir ist es schon passiert, dass ein handtaschengroßer Mischling glaubte, es mit einer Akita, einem Chesapeake Bay und mir aufnehmen zu können. Warum? Weil sein kleiderschrankgroßer großer Besitzer sich breitbeinig hinter ihm aufgebaut hat.


Impfen und Entwurmen: muss das wirklich sein?

Ja, unbedingt!!! Natürlich kann eine Impfung, wie jede Behandlung, unerwünschte Nebenwirkungen haben, die Wahrscheinlichkeit einer Impferkrankung ist jedoch sehr viel geringer als die einer Infektionskrankheit. Viele Infektionskrankheiten, wie z.B. Staupe und Leptospirose, nehmen durch den umfangreichen Import von Hunden aus Ländern mit hohem Infektionsdruck seit Jahren wieder zu. Besonders bei Welpen und jungen Hunden sollten Sie unbedingt auf eine korrekte Impfung und Entwurmung achten, ihrem Hund zuliebe und allen, denen er begegnet.                        Etwas anderes ist die Frage nach Impfzeitpunkt und Häufigkeit. Die übliche (und vom VDH geforderte) erste Impfung mit 8 Wochen ist eigentlich unnötig, da die Welpen zu diesem Zeitpunkt im Normalfall noch Antikörper über die Muttermilch erhalten. Besser als mit 8 und 12 Wochen wäre es, mit 12 und 16 Wochen zu impfen. Mit 8, 12 und 16 Wochen schadet aber auch nicht! Wenn der Hund älter und gesund ist und nicht viel herumkommt (Ausstellungen, Urlaube, Hundekontakte), müssen Sie vielleicht nicht mehr unbedingt jährlich gegen „Alles“ impfen lassen. Seit einigen Jahren gibt es auch Impfstoffe, die einen Impfschutz für 3 oder sogar 5 Jahre garantieren, allerdings gilt dieser verlängerte Impfschutz nicht für die gesamte 5-fach Impfung. Besonders die Leptospiroseimpfung ist ein Problem. Von Leptospiren gibt es verschiedene Serotypen, gegen einen wirkt der Impfschutz nur ca. 6 Monate, gegen andere wirkt der gebräuchliche Impfstoff gar nicht - d.h. trotz jährlicher Impfung kann sich ihr Hund mit Leptospiren infizieren! Die neueren Impfstoff gegen 4 Serotypen sind mit Vorsicht zu genießen: fragen Sie Ihren Tierarzt nach einem Impfstoff mit besonders gut verträglichen Adjuvantien (Hilfsstoffen), sonst ist die Dosis für Ihren kleinen ZP leicht mal zu viel. Ein lebensgefährlicher anaphylaktischer Schock kann die Folge sein!                                                                                                                             Vorsicht beim Angebot nicht geimpfter Welpen! Gut möglich, dass der „Züchter“ Tierschutzgründe vorschiebt, aber in Wirklichkeit an seinen Geldbeutel denkt. Übrigens: Züchter im VDH (Verband für Deutsches Hundewesen, dazu gehört auch der PSK, Pinscher- und Schnauzer-Klub) müssen Ihrem Zuchtwart die Impfpässe der Welpen vorlegen, wobei auch eine Chipkontrolle durchgeführt wird, sonst bekommen die Welpen keine Papiere.                                                                                                       Und nicht vergessen: vor dem Impfen wird ordentlich entwurmt. Das Immunsystem kann sich nicht gleichzeitig um alles kümmern. Auch für das Entwurmen gilt: wo viele Hunde sind, sind auch viele Parasiten. Hunde müssen nicht wurmfrei sein (und sind es auch nicht, jedenfalls nicht dauerhaft). Aber überhandnehmen dürfen die Parasiten nicht. Hunde magern nicht unbedingt ab, wenn sie genug zu fressen bekommen, aber Parasiten können einzelne Mineralstoffe oder Vitamine „abfangen“, Würmer können, je nach Art und Menge, Juckreiz am After verursachen („Schlittenfahren“) oder Erbrechen, die Darmwand blutig beißen oder die Blutgefäße und Organe schädigen. Je jünger der Hund ist, umso penibler wird entwurmt! Bei älteren, gesunden Hunden die wenig auf viel frequentierten Wegen unterwegs sind, kann man eher mal etwas laxer sein (was nicht heißt, dass ich das empfehlen würde!). Wenn Kinder im Haus sind, wird außerdem vermehrt gegen Bandwürmer entwurmt, wegen des Fuchsbandwurmes, an dem Menschen schwer erkranken können.


Kastration

Früher wurden die Hunde optisch zurechtgeschnitten: Ohren und Ruten wurden kupiert und die Wolfskrallen abgeschnitten. Bei uns gilt seit Jahren Kupierverbot, im Ausland ist diese Unsitte noch weit verbreitet. Dafür wird das hormonelle Zurechtschneiden - die Kastration - immer üblicher, oft schon, nach amerikanischer Art, vor der Pupertät. Es kann gute Gründe für eine Kastration geben, z.B. Hündinnen, die nach jeder Läufigkeit scheintragend werden, Rüden, die hypersexuell sind oder die Konkurrenz unter Rüden in einem Haushalt mit mehreren Hunden beiderlei Geschlechts. Aber eine Kastration ist einschneidender Eingriff in die Psyche eines Hundes. Darüber hinaus erweisen sich viele Verhaltensprobleme, die zu einer Kastration führen, im Nachhinein als nicht hormonbedingt. Bevor eine Kastration in Erwägung gezogen wird, ist das Setzen eines Hormonchips, also sozusagen eine "Kastration auf Probe" eine gute Idee. Bei einem pupertierenden Junghund, der dem Halter etwas über den Kopf wächst, kann das schon ausreichen, um den Hund wieder aufmerksam, weniger hormongebeutelt und der Erziehung besser zugänglich zu machen. Nach dieser schwierigen Phase ist eine Kastration vielleicht gar nicht mehr notwendig. Allein zur Unterbindung der Fortpflanzung ist die Kastration in meinen Augen ein zu massiver Eingriff (es sei denn, bei freilaufenden Streunern), Argumente für und gegen Gesundheitsprobleme gibt es für beide Seiten. In gar keinem Fall halte ich eine Kastration von Jungtieren für gerechtfertigt. Auch ein Hund sollte das Recht haben, eine erwachsene, ausgereifte Persönlichkeit zu entwickeln. Unserem Erik fehlt der größte Teil von Ohren und Rute, aber die Hoden sind noch dran. Ich glaube nicht, dass er tauschen würde!


Abschied nehmen

Wir machen alle denselben Fehler: wenn der Hund todkrank ist, lassen wir ihn nicht einschläfern, sondern verlängern sein Leiden, indem wir ihn mit Medikamenten notdürftig am Leben halten, bis das Ganze in einem Notfall endet. Vordergründig mag das nach Tierschutz aussehen - für den Hund ist es oft nur unnötiges, zusätzliches Leid. Es ist unser Problem, Abschied zu nehmen, nicht das der Hunde, die nicht in die Zukunft hineindenken, sondern leiden, wenn sie Schmerzen haben und sich nicht mehr richtig bewegen können. Ein Hund ist zum Laufen geboren, nicht dazu, mit Gelenkschmerzen und Herzinsuffizienz im Körbchen zu liegen.
Ein Hund denkt nicht: ich möchte noch ein Weihnachten erleben. Er möchte jetzt laufen, jetzt ein lebenswertes Hundeleben haben. Vielleicht haben Sie das Glück und ihr Hund schläft einfach ein, liegt nach einem langen, erfüllten Leben morgens tot im Körbchen. Meistens ist es anders. Wenn der Hund unheilbar krank ist und die Schmerzmittel nicht mehr vertragen werden, liegt es an Ihnen, das Ende zu bestimmen. Wenn die schlechten Tage überwiegen, wenn die Leiden größer sind als die Lebensfreude, dann begleiten Sie Ihren Hund zu einem friedlichen, schmerzlosen Tod. Das sind Sie ihm schuldig!